Arévalo – Medina del Campo – Nava del Rey

20.08.2022

Heute habe ich ausgeschlafen bis sieben Uhr. Ich hatte mich gestern entschlossen mit dem Zug bis nach Medina del Campo zu fahren und von dort aus weiterzulaufen. Die Dame der Touristeninfo beglückwünschte mich zu der Entscheidung, denn die Strecke verläuft wohl komplett neben der Autobahn.

Der Bahnhof Arévalos ist fast drei Kilometer außerhalb gelegen, aber für einen Peregrino wie mich ist das ja Pillepalle.

Das modere Getreidesilo, nach dem Silo in der Burg von gestern.

Ein Blick vom Zug auf Arévalo zum Abschied.

Auch in Medina del Campo musste ich noch ein Stück in die Stadt laufen, um zurück auf den Camino zu kommen. Aber fünf anstelle von 35 Kilometern ist doch ein guter Tausch.

Medina del Campo ist eine Gabelung zwischen dem Camino de Levante, auf dem ich unterwegs bin, und dem Camino Sureste. Die beiden trennen und treffen sich immer wieder.

Daher waren gestern Abend dann noch zwei spanische Radpilger in der Herberge, die auf dem Sureste fahren. Der eine meinte, dass es ab Zamora voller werden würde. Nicht wie beim Camino Francés, den HP ging, aber voller. Auf dem Camino Francés ist es wohl so, dass die Pilger sehr früh losstürmen, um dann einen Platz in der Herberge zu ergattern. Denn es geht nach dem Motto: wer zuerst kommt mahlt zuerst. So stellen sie wohl ihre Schuhe in einer Reihe auf, um zu zeigen wer zuerst da war. Hoffen wir mal, dass es auf meiner Strecke nicht so voll wird.

Jetzt verstehe ich aber auch wieso eine Dame auf dem Rathaus gestern ungehalten war, als ich fragte ob in der Herberge Platz sei. Man kann nicht reservieren. Aber bisher war es eher die Herausforderung die Person zu finden, die den Schlüssel hat. Das wird wohl ab Zamora nicht mehr der Fall sein. Die Herberge öffnet wohl um 13 oder 14 Uhr und dann habe ich hoffentlich einen Platz. Die Dame sagte mir aber noch in welcher Bar ich den Schlüssel erhalte. Somit alles gut.

Die Strecke nach Nava del Rey war auch nicht besonders spannend, meistens parallel zur Bahnlinie. Züge fahren aber weniger als Autos, daher war es schön ruhig.

Unterwegs kam eine Raststation. Wenn es kühl ist freut man sich bestimmt hier in der Sonne zu sitzen. Ich hatte mein Bocadillo schon zuvor im Schatten verspeist und lief daran vorbei.

Nava del Rey in Sicht, lief ich trotz Hitze entspannt meinem Ziel entgegen. Heute haben wir die 30 Gradmarke wieder locker geknackt, Tendenz weiter steigend.

Wertstoffhof. Videoüberwacht und öffnet auf Anfrage.

Nava del Rey ist ein sehr aufgewecktes Örtchen. Als ich ankam spielte eine kleine Band an der Plaza de España und viele gut gelaunte Menschen waren zu sehen.

Meine Herberge ist fast neu. Sie wurde im Herbst 2019 eröffnet und wegen der Pandemie bisher kaum genutzt. Der Herbergesvater gab mir dann gleich noch einen Essenstipp.

Der Restaurantempfehlung folgte ich natürlich direkt. Die Chefin des Hauses meinte ich müsste “Cocido” essen, dann würde ich morgen laufen wie Speedy Gonzales. Zur Sicherheit hab ich mir einen Schnaps hinterher bestellt und meine Freude auf die Siesta war groß.

Nach meiner Siesta habe ich noch die Sehenswürdigkeiten, die José von der Touristeninfo mir empfohlen hat, abgelaufen.

Bodegas Urdil. Hier kann man natürlich Wein kaufen, Weinproben machen und wie ich den alten Weinkeller besichtigen.

Ein alter Friedhof, der mit Ölivenbäumen bepflanzt wurde, da die Grabsteine umgezogen wurden zum neueren Friedhof. Am Eingangstor steht sinngemäß „carpe diem“, da die hier Beerdigten wohl alle dem Typhus zum Opfer gefallen sind.

Eremita der Virgen von was weiß ich. Die wird im November immer von ihrer Außenstelle in die Stadt gebracht und zwei Wochen später wieder zurück. Das war mir dann aber doch zu weit weg.

Um 22:30 Uhr findet auf der Plaza de España noch ein Konzert statt. Finde ich unglaublich, denn Nava del Rey hat gerade mal 2.100 Einwohner.

Bild des Tages: Da habe ich heute irgendwie nichts mehr, also wird‘s das kühle Bier, das im angeeisten Glas kam.