Toledo

11.-12.08.2022

Toledo ist eine faszinierende und sehr geschichtsträchtige Stadt. Überall sieht und spürt man die Einflüsse der unterschiedlichen Herrscher, die Toledo über die Jahrhunderte geprägt haben.

Ich werde einfach einige Bilder der Kirchen, Synagogen, Brücken, Museen, Klöstern und anderen Bauwerken einstellen, dass Ihr einen Eindruck der Stadt erhaltet.

Wenn man auf die Anhöhe auf der anderen Seite des Flusses fährt, hat man einen umwerfenden Blick auf Toledos Casco, also die Altstadt.

Hier ist sogar das Weihwasser hygienisch korrekt vorbereitet.

Toledo ist definitiv eine Reise wert. Für mich waren die Tage hier Urlaub im Urlaub, auch wenn das rege Treiben und die vielen Touristen nach dem „Alleine-Laufen“ zunächst eine Herausforderung war.

Die Stadt unternimmt sehr viel, dass Toledo hübsch ist und die vielen Besucher die Stadt von ihrer besten Seite kennenlernen.

Ein weiterer, berühmter Vertreter Toledos ist Federico Martín Bahamontes, Aguila de Toledo. Er ist der erste spanische Tour de France Sieger.

Ach und Herr Hop(p) scheint selbst in Spanien aktiv zu sein.

Bild des Tages ist ein Rennradfahrer, der den letzten Anstieg in die Altstadt mit der Rolltreppe bewältigte:

Tembleque – Toledo

10.08.2022

Ich hatte irgendwie gehofft, dass ich ausschlafen kann und es mehrere Möglichkeiten gäbe, um nach Toledo zu kommen, doch Fehlanzeige. Es gibt genau zwei Busse, 06:30 und 07:10 Uhr.

Als braver Deutscher und weil ich meinen Bus auf keinen Fall verpassen wollte stand ich bereits um 06:50 Uhr an der Bushaltestelle.

Im Bus ist hier auch Maskenpflicht und so starte ich meine Fahrt mit FFP2 in Richtung Toledo.

Wir sind etwas Zickzack gefahren und haben einige Dörfer abgeklappert, so dass die Fahrt gut 1,5 Stunden gedauert hat, obwohl Toledo auf dem direkten Weg vielleicht 60 Kilometer entfernt ist.

Toledo ich komme.

Toledos Altstadt liegt auf einem Hügel, der Busbahnhof unten im Tal. Wo ich meine Füße doch schonen wollte.

Toledo ist aber total auf Touristen, Kultur und wir präsentieren uns toll eingestellt, dass dies ein Luxusaufstieg ins Zentrum war.

Ich bin dann durch die engen, verwinkelten Gässchen zu meinem Hotel. Mein Zimmer war zwar noch nicht fertig, doch ich konnte meinen Rucksack dort abgeben und frühstücken.

Danach bin ich direkt losgetigert um Sightseeing zu machen. Gefühlt bin ich alle 10 Meter stehen geblieben, um zu fotografieren. Es gibt hier solch tolle Architektur und einfach so viel Schönes, dass ich unzählige Fotos gemacht habe.

Mein erster Halt war der Pozo de los Desos. Der Brunnen der Wünsche ist über einen Souvenirladen (von denen es hier Unzählige gibt) zugänglich. Man muss nur irgendwas kaufen und dann darf man ihn bewundern. Der Brunnen enthält tatsächlich Trinkwasser und ist mitten in der Altstadt.

Danach ging’s ins Museum „El Greco“. Ein Künstler, der aus Kreta stammt und über Rom nach Toledo kam und hier sein Leben verbrachte. Er ist einer der bekanntesten Bewohner Toledos.

Es wurde auch sein Einfluss auf Künstler der Moderne dargestellt, somit waren auch Werke von Picasso ausgestellt.

La Villa de Don Fabrique – Tembleque

09.08.2022

Üblicher Start wie jeden Tag, früh aufstehen, Blasen versorgen, losziehen. Ach stop, heute wurde mir ein Bocadillo für unterwegs vorbereitet. Luxus pur. Danke Juan.

Bin heute Morgen direkt an einer Fußklink vorbeigekommen. Hätte ich gestern vielleicht mal vorbeischauen sollen.

Bis nach Villacañas habe ich fast genau zwei Stunden gebraucht, womit ich den Sonnenaufgang wieder im Ort verpasst habe, doch ein paar stimmungsvolle Bilder gibt es dennoch.

Im Ort selber herrschte Katerstimmung vor. Haben wohl bis in die Morgenstunden gefeiert. Die Mitarbeiter der Stadt mussten jedoch schon aufräumen.

Die Bars und Geschäfte auf dem Weg hatten alle noch zu, somit war ich froh, dass ich ausreichend Wasser und mein Bocadillo hatte.

Ein paar morgendliche Läufer sind mir begegnet, bzw. haben mich überholt.

Die Strecke war heute sehr abwechslungsreich, doch konnte ich sie nicht so recht genießen. Birgit meinte ich solle doch auf einem Esel weiterreiten, um meine Füße zu schonen. Der Esel kam nicht. Ich hatte mir aber vorgenommen per Anhalter zu fahren, wenn ein Traktor käme.

Als ich dann echt geschafft war und schon fast am Ziel, kam ein Jeep von hinten angefahren. Daumen raus und so konnte ich meine letzten drei Kilometer in Windeseile zurücklegen.

Das Gespräch mit dem älteren Herrn war echt lustig, auch wenn ich wegen seiner fehlenden Zähne ziemliche Schwierigkeiten hatte ihn zu verstehen.

Nachdem in der Unterkunft, die ich mir eigentlich ausgesucht hatte niemand ans Telefon ging, bin ich zur Touristeninfo, die mir dann ein Zimmer besorgt hat

Die freundliche Dame hat mir auch die Busverbindungen nach Toledo gegeben. Ich habe beschlossen morgen mit dem Bus dort hinzufahren und zwei Nächte zu bleiben. Erholung für meine Füße und mich.

Auch Tembleque hat eine wunderschöne Altstadt.

Bild des Tages gibt’s zwei, ein Spiel, das wohl international ist und etwas morbide Abrissstimmung:

El Toboso – La Villa de Don Fabrique

08.08.2022

Da ich gestern eine sehr kurze Etappe hatte, standen heute ein paar Kilometer mehr an. Nicht mehr so viel wie am Anfang, denn mein Hauptziel ist immer noch vor 12 Uhr in meiner Unterkunft zu sein. Also Startzeit 05:15 Uhr.

Den richtigen Sonnenaufgang habe ich heute verpasst, da ich zu der Zeit in Quintanar de la Orden mein erstes Frühstück zu mir genommen habe.

Ich merke, dass die Tage kürzer werden und ich immer weiter Richtung Westen laufe. Sonnenaufgang heute 07:17.

Ich bin aktuell nicht nur auf dem Jakobsweg unterwegs, sondern auch auf der parallel verlaufenden Ruta de Don Quijote.

Was der Ort mit Madame Curie zu tun hat weiß ich nicht, doch das Bild fand ich schön.

Danach ging’s auf eine sieben Kilometer lange Gerade. Das war wirklich unglaublich. Eine Art Wanderautobahn. Hätte nicht eine richtige Autobahn gekreuzt, dann wäre es nur geradeaus gegangen.

Hier der erste Wegweiser mit einer echten Jakobsmuschel.

Das fand ich echt eine psychische Herausforderung, doch in La Puebla de Almoradiel angekommen wartete mein zweites Frühstück.

Danach mal wieder eine Regenbogenbank und in der Apotheke daneben hab ich neue Blasenpflaster gekauft, denn so ganz habe ich es noch nicht überstanden. Die Motivation per WhatsApp kam promt, als die Blase an der Ferse aufgeplatzt ist: „Schmerz ist Schwäche, die den Körper verlässt!“ Ein Dank an Annie, Michael und was auch immer für ein Rennradbuch. Auf dass jegliche Schwäche bereits aus meinem Körper gewichen sein möge.

Die letzen Kilometer gingen dann durch Weinfelder, Weinberge kann man ja nicht wirklich sagen und ich kam zu der Uhrzeit an, zu der ich gestern loslief.

Auch die Einheimischen sind sportlich unterwegs.

Ich wollte auf der Polizei den Schlüssel für die Pilgerunterkunft holen, doch die ist wohl Corona zum Opfer gefallen. Dafür bin ich in einem sehr urigen Hostal, das für Pilger einen Spezialpreis macht.

Es gab gleich einen kleinen Happen zu essen, kaltes Wasser und meine dreckigen Klamotten wurden gewaschen.

Heute ist auch ein weiterer Pilger hier. Ein Spanier, der mit seinem Rad unterwegs ist.

Mittagessen war heute in Ordung, kein Highlight, doch die Herren, die im Barbereich Karten gespielt haben schon. Ich habe mich zu ihnen gesetzt und mir das Spiel erklären lassen. Ein wenig wie Skat nur ohne Reizen, dafür mit irgendwelchen Zusatzansagen, die Extrapunkte geben. Also wenn man das Pferd mit dem König sticht oder ähnliches.

Wie das Spiel genau heißt konnte ich mir nicht merken. Zu gern hätte ich auch mal gespielt, doch sie haben um Geld gespielt. Da wollte ich nicht stören.

Die Karten sehen ganz anders aus. Es gibt Schwerter, Kelche, Stäbe und Münzen (Gold). Rey, Caballo und Sota entsprechen König, Dame und Bube. As und 3 sind in diesem Spiel die zwei höchsten Karten.

Das sind Münzen.

Jetzt noch ein paar Bilder vom Ort. Während die Senioren im Schatten quatschen gehen die Seniorinnen in die Kirche.

Bild des Tages:

Mota del Cuervo – El Toboso

07.08.2022

Die Hostalinhaberin erzählte mir gestern, dass heute eine große Prozession stattfindet und dies für die Bewohner von Mota der wichtigste Tag des Jahres sei. Ntra. Sra. de Manjavacas wird von der Eremita ca. 7 km außerhalb von Mota abgeholt und in die Stadt getragen.

Also beschloss ich das große Ereignis zu verfolgen, meine Etappe auf 12 km zu kürzen und erst gegen 11 Uhr zu starten. Dies ist inzwischen eher meine Ankunftszeit.

Somit hatte ich einen entspannten Start in den Tag, denn ich sollte gegen 9:00 am Ortseingang sein, um die Prozession ankommen zu sehen.

Gefühlt war der ganze Ort auf den Beinen um die Ntra. Sra. de Manjavacas ankommen zu sehen. Und die, die nicht zuschauten, sind in der Prozession mitgelaufen, -gefahren oder -geritten.

Danach sind alle schnell Richtung Zentrum gelaufen.

Denn ca. 500 Meter vor der Kirche wurde die Statue abgestellt, enthüllt, abgestaubt und sie bekam ihr Krone und Blumen. Dann bekamen die Königin der Fiesta und ihr Hofstaat eine Kette mit einem Madonnenanhänger.

Ihr habt vorher die ganzen Läufer gesehen, die wohl speziell für dieses Event trainieren. Auf alle Fälle haben alle individualisierte T-Shirts an.

Sobald alle Ketten verteilt sind geleitet der Hofstaat Ntra. Sra. de Manjavacas zur Kirche. Dort wird sie für zwei Wochen verweilen, um dann wieder mit einer Prozession zurück zur Eremita geleitet zu werden.

Kurz nach 11 Uhr war ich dann in meinem Hostal startklar. Es war wirklich schon ziemlich heiß und die Inhaberin des Hostals war sehr süß und meinte, wenn irgendwas passiert oder ich nicht mehr weiter kann, dann solle ich anrufen und sie holt mich ab.

Bzgl. Sonnenschutz habe ich heute nochmal aufgerüstet und war mit Regen-/Sonnenschirm unterwegs. Zum Glück blies immer ein kleines Lüftchen, aber von 11 – 14 Uhr zu laufen war echt schwer. Jetzt weiß ich auch wieso ich nach den ersten Etappen so geschafft war.

Dann nochmal ein kurzer Blick zurück zu den Windmühlen.

Unterwegs gab’s viele kleine Solarstationen. Es sah so aus, als ob damit eine Grundwasserpumpe zur Bewässerung betrieben wird.

In El Toboso angekommen habe ich direkt ins Hostal Don Quijote eingecheckt und mich im klimatisierten Zimmer erholt.

El Toboso ist durch die Romanfigur Dulcinea de Toboso, die von Don Quijote auserkorene Herzdame, berühmt geworden.

Dulcinea
Don Quijote und Dulcinea

Der Ort ist sehr aufgeräumt, friedlich und sehr hübsch.

Bild des Tages kann nur Ntra. Sra. de Manjavacas sein.

Las Pedroñeras – Mota del Cuervo

06.08.2022

So langsam fühlt es sich nach „täglich grüßt das Murmeltier“ an. Aber der Rhythmus und die Routine tun mir gut. Start in der Morgendämmerung.

Heute war ich nicht alleine unterwegs, gegen 6:30 Uhr, da ist es hier noch dunkel, hat mich ein Landwirt mit seiner Strohballenmaschine überholt. Später hab ich ihn dann bei der Arbeit überholt.

Heute lagen zwei Ortschaften auf meiner Wegstrecke und ich habe mich schon total gefreut zwei Mal Pause zu machen. Ihr könnt es bestimmt schon zwischen den Zeilen lesen, am ersten Ort war noch nix los, aber wirklich gar nichts, obwohl es bereits 8 Uhr war. Somit habe ich mich mit El Pedernoso nicht angefreundet.

Jetzt lag meine Hoffnung ganz auf Santa Maria de los Llanos. Ich hatte nämlich kein Brötchen dabei und auch meine Wasservorräte hätten nicht bis zum Ziel gereicht. Ärgerlicher Weise ließ ich meine Alutrinkflasche im Konvent liegen.

Santa Maria hat mich nicht enttäuscht. Obwohl der Ort kaum 500 Einwohner hat, war vom Metzger, den Gemüsehändler, Supermarkt bis zur Bar alles geöffnet. Somit stand meinen Frühstück nichts mehr im Wege.

In Santa Maria gibt’s auch einen Zwischenstatus zur Strecke. Ob Motivation oder Herausforderung kann jeder für sich entscheiden.

Bei den letzten Kilometern war ich an jeder Kuppe gespannt ob ich die Windmühlen von Mota del Cuervo sehen werde. Denn im Reiseführer steht, dass man schon von weitem den Ort und dessen Windmühlen auf der Anhöhe sehen würde. Also schaut mal ob Ihr sie entdeckt.

Auf dem Weg durch den Ort und zu meiner Unterkunft begegnen einem Windmühlen und Don Quijote überall. La Mancha, durch die ich schon seit einigen Tagen laufe, ist Don Quijotes Heimat. Heute nächtige ich in einem Hostal mit Klimaanlage, da es keine Pilgerunterkunft gibt.

Nachdem mein Zimmer noch nicht bereit war, ließ ich meinen Rucksack dort und habe mir direkt die Windmühlen angeschaut. Wenn ich richtig gezählte habe stehen dort sieben Stück. Eine davon war heute sogar in Betrieb.

Ach, meine Alutrinkflasche ist wieder bei mir. Ich habe mit Jesús telefoniert und er hat sie Freunden mitgegeben, die sie mir gebracht haben. Toll.

Ich fand die Windmühlen so spannend, dass ich zum Sonnenuntergang nochmal hochgelaufen bin.

Danach war ich noch auf der Plaza Mayor, auf der die Festtage eröffnet wurden. Es gab eine Rede des Bürgermeisters, der immer wieder hervorhob wie toll es sei, dass nach 3 Jahren Pandemiepause alle wieder feiern können. Eine weitere Rednerin war Elena Manjavacas, eine junge Frau aus dem Ort, die bei der NASA arbeitet.

Wer Spanisch spricht kann hier mehr über sie erfahren:

https://eldiadigital.es/art/389110/elena-manjavacas-una-motena-en-la-nasa-volver-a-mota-del-cuervo-es-recargar-las-pilas-de-motivacion-y-alegria

Es wurde auch die Festtagskönigin gekrönt und ihr ganzer Hofstaat begrüßt.

Ich bin um 23 Uhr auf mein Zimmer weil ich nicht mehr stehen konnte, doch die Party ging bis früh morgens.

Bild des Tages:

San Clemente – Las Pedroñeras

05.08.2022

Heute bin ich im Dunkel los und da der Himmel wolkenlos war habe ich versucht die Sterne zu fotografieren. Also fürs erste Bild bitte Licht aus, die Helligkeit des Displays auf sein Maximum stellen und schauen ob ihr die Milchstraße erkennen könnt.

Die Strecke war vergleichbar mit meiner gestrigen Etappe, nur ein paar Kilometer mehr.

Auf gut der Hälfte der Strecke tauchte ein großes Gebäude auf. Ich dachte es sei ein Weingut und ich könnte vielleicht eine Weinverkostung machen. Leider handelte es sich nur um die Ruine, des Castello de Santiago de la Torre. Die Burg dient vielen Schwalben als Unterschlupf.

Auf den Feldern war heute echt was los, naja dafür, dass ich sonst eigentlich niemanden getroffen hatte. Diese Herren haben ganz liebevoll jeden neu gepflanzten Olivenbaum gewässert.

Mein Higlight heute war die Unterhaltung mit zwei Männern, als ich in den Ort lief. Sie fragten wie lang ich noch laufen würde und was man dann so spricht. Dann meinte der eine ich solle kurz warten, denn ich müsse ja gut Essen, dass ich das auch schaffe. Er kam damit zurück.

Las Pedroñeras ist nämlich für seinen speziellen Knoblauch bekannt. Der Ort wird auch als Knoblauch-Hauptstadt bezeichnet und dies sieht man an vielen Stellen.

Meine Unterkunft für heute ist wieder ein Konvent, allerdings ein verlassener, den die Stadt aktuell für Pilger unterhält. Daher ganz toll sauber und riesig.

Anscheinend kommen hier pro Jahr nur etwa 250 Pilger vorbei. Im Fernsehen hörte ich dass in Santiago momentan mehr als 95.000 Pilger sind, es in etwa der Bevölkerungszahl Santiagos entspricht. Heute habe ich zum Glück erfahren, dass dort eine Jugendpilgerveranstaltung stattfindet und der Spuk in ein paar Tagen vorbei ist.

Im Konvent steht mir sogar eine Waschmaschine zur Verfügung und so habe ich all meine Kleidung einmal richtig waschen können. Echt Luxus und im Vergleich zu meiner Handwäsche ist jetzt alles porentief rein. Auf der kleinen Dachterrasse trocknete alles in Windeseile.

Zum Mittagessen gab’s heute als Hauptspeise Kaninchen.

Der Ort selbst ist unaufgeregt, ruhig und hübsch.

Blick von meiner Dachterrasse

Zum Bild des Tages habe ich den Servicetechniker der Wasserspiele gewählt, der selber patschnass im Wartungsschacht stand.

Minaya – San Clemente

04.08.2022

Heute bin ich wieder vor Sonnenaufgang los. Das ist so toll. Ich genieße es total in den beginnenden Tag zu laufen. Hier war morgens schon einiges los und ich hätte tatsächlich schon einen Café bekommen.

Die Sonne ging für mich über der Autobahn auf.

Irgendwie komisch so durch die einsame, karge Landschaft zu laufen und dann taucht wie aus dem Nichts eine Autobahn auf.

Heute wurde es hügeliger, also wirklich sehr sanft. Es waren gerade mal 50 Höhenmeter auf der kompletten Strecke, doch dadurch ist die Landschaft direkt abwechslungsreicher.

Es wird auch wieder Wein angebaut. Keine Ahnung wo das Wasser zur Bewässerung herkommt, doch die Weintrauben sind schon deutlich reifer, als die am Anfang des Caminos.

Nach nicht ganz der Hälfte der Strecke kam eine kleine Ortschaft. Las Casas de los Pinos. Es waren wirklich nur ein paar Häuser, doch mit Kirche und einer Bar daneben, die schon geöffnet hatte.

In der Bar hab ich dann gefrühstückt, das war schon mein morgendliches Highlight. Die erste Einkehr auf der Strecke seit langem.

Die Herrn am Nebentisch hatten alle einen Café und ein kleines Gläschen mit irgendwas anderem.

Ich hab die Kellnerin gefragt was das sei. Sie sagte: „chupito“. Was auch immer das ist. Ich meinte, dass ich das auch probieren wolle. Sie fragte mich nun welchen chupito ich gerne hätte, sie hätte unterschiedliche. So langsam dämmerte es mir. Ich hab was leichtes mit Kräutern bestellt.

Wer immer noch nicht weiß was ein chupito ist, hier das Bild der Flasche, aus der mein Kurzer kam.

Gut gestärkt und bester Laune ging’s weiter.

An der Tourismusinfo konnte ich den Schlüssel für die Herberge abholen. Die Dame fragte mich direkt ob ich „loco“ sei, bei den Temperaturen durch die Gegend zu laufen. Aber auch wenn ich in ihren Augen verrückt war, hat sie mich registriert und den Schlüssel zur Herberge übergeben. Heute bin ich wieder Hausbesitzer, alles ganz neu, 2022 eingeweiht. Küche, Bad, Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer und einen Innenhof.

San Clemente selber hat einen sehr schönen alten Ortskern.

Vom Mittagsmenü zumindest die Dorade zum Anschauen, weil sie gar so lecker war.

Als es abends dann auf dem Rückweg vom Wasserkauf heftig zu regnen anfing, musste ich mich unterstellen und ein Feierabendbier bestellen.

Beim Bild des Tages habe ich mich wieder für Wandkunst entschieden.

La Roda – Minaya

03.08.2022

Ich habe heute bis 6:21 Uhr ausgeschlafen, da meine Etappe wieder kurz ist und ich ja auch für meine Verhältnisse spät ins Bett bin.

La Roda verlasse ich Richtung Westen und laufe durch ein kleines Industriegebiet, bevor es minimal hügelig und wieder mit zumindest ein paar Bäumen gegen Minaya geht.

Unterwegs kam ich an einer sehr großen Solaranlage vorbei. Ich bin die Tage zuvor auch schon immer an welchen vorbei gekommen, aber nie mit so großen Panelen.

Gerade als ich überlegte ob sie nicht nur die Neigung ändern, so wie die, denen ich schon begegnet bin, sondern sich auch mit der Sonne mitdrehen können, fingen sie an sich ein kleines Stückchen weiterzudrehen.

Ansonsten gab‘s heute unterwegs nicht viel Spannendes.

Eine Bewässerungsanlage, die wohl von einem Tankwagen gespeist wird.

In Minaya hab ich in der einzigen Bar, die ich gefunden habe, erst mal Frühstück bestellt. Also zumindest für mich war’s Frühstück. Café con leche und eine tostada con tomate. Ich habe mir erklären lassen, dass man erst mit dem Löffel kleine Löcher in das getoastete Brot sticht, dass das Olivenöl und dann die passierten Tomaten besser aufgesaugt werden. Dann noch Salz drüber und fertig ist der Leckerbissen.

Nach dem Frühstück rief ich dann Jesús an, der mir den Schlüssel zur Unterkunft bringen sollte. Wir trafen uns vor der Turnhalle, denn das war mein Reich für einen Tag.

Mein Haus
Mein Sportzimmer
Mein Schlafzimmer
Mein Bad

Nachts war es schon ein wenig gruselig, ganz alleine in einem so riesigen Gebäude, aber letztendlich habe ich gut geschlafen.

Gegen Abend kam dann die AH Mannschaft von Minaya zum Fußballspielen. Da hab ich ein wenig zugeschaut und mich später in den kühlen Wind vor die Tür gesetzt, um meinen Blog zu schreiben.

Bild des Tages ist ein Radfahrer beim Training. Der ältere Herr fuhr eine gefühlte Ewigkeit mit seinem alten Rad auf dem Platz im Kreis.

Albacete – La Roda

02.08.2022

Meine Füße benötigen leider eine Pause. Albacete hat einen Bahnhof und ich kann 40 km, das entspricht 2 Tagesetappen, mit dem Zug zurücklegen.

Es fahren nur drei Züge pro Tag nach La Roda und um den Tag gemütlich angehen zu können, hab ich den kurz vor 11 Uhr genommen.

Ich kam mir vor wie am Flughafen. Mein Gepäck wurde durchleuchtet, mein Boarding Pass, ok mein Ticket wurde kontrolliert bevor ich auf den Bahnsteig ging, eine nette Dame sagte mir zu welchem Gleis ich muss und es gab eine VIP Lounge.

La Roda ist ein kleiner Ort, aber diese Woche voll in Feierlaune. Schon kurz nach meiner Ankunft sah ich die ersten Buden und Essensstände, alle zwar noch geschlossen, aber bereit für das nächtliche Treiben.

Meine Unterkunft war dieses Mal in der/ bei der Stierkampfarena. Ich hatte Glück, dass an diesem Tag kein Kampf stattfand, sonst hätte ich nicht dort übernachten können.

Mein Blick aus dem Fenster

Ich muss mich jedes Mal in irgendeine Liste/ein Buch eintragen oder ich werde im Computer erfasst. Dieses Mal gab es eine, wie ich finde, besonders lustige Frage: Ob ich A: zu Fuß, B: mit dem Rad oder C: zu Pferde unterwegs bin. Ich habe das ganze Buch durchgeschaut und leider nur A oder B entdeckt. Allerdings war der älteste Pilger 82 Jahre alt und hat sich gefreut, dass er endlich mal ein Bett hatte und nicht auf dem Boden schlafen musste.

Gegen 15 Uhr war ich zum Mittagsmenü wieder in einem Restaurant. Ich will Euch nicht mit Essensbildern langweilen, aber es war wieder superlecker. Ich glaube wenn ich zurück in Deutschland bin, will ich das auch jeden Tag. Genauso wie meine Siesta danach.

Gegen 20:30 Uhr zog ich dann los um auf dem Fest was zu essen und ein wenig zu schauen was so geboten ist. Krimskrams-Stände wie bei uns, nur dass man hier auch mit Karte zahlen kann, wie eigentlich überall, egal wie gering der Betrag ist.

Ich hab mir dann an diesem Stand was zu essen geholt, ca. 21 Uhr. Das zweite Bild ist dann gegen 1 Uhr morgens, derselbe Stand.

Nachdem noch nichts los war ging ich zur Kirche und hab ein bisschen alte Gebäude angeschaut.

Ich hatte mitbekommen, dass um 23 Uhr ein Queens Musical im Park aufgeführt wird. Zunächst dachte ich da schliefe ich schon längst, aber ich wollte es einfach versuchen reinzukommen. Gesagt getan, es gab noch ausreichend Karten und so wurde mir eine spanische Queens Show geliefert, die echt lustig war, gesanglich zwar nicht astrein, doch ich habe mich gut unterhalten gefühlt.

Jetzt mit Ton, wer einen kleinen Eindruck davon gewinnen will.

Danach bin dann schnell ins Bett, denn ich wollte ja am kommenden Tag wieder früh los, der Hitze wegen.

Bild des Tages: